Geschichte des Deutschen Ordens in Südtirol/Tirol
Zwölf Jahre nachdem Bürger aus Bremen und Lübeck im Sommer 1190 vor Akkon, dem „Schlüssel des Heiligen Landes“ (Marian Tumler), aus den Segeln ihrer Schiffe ein Zeltspital errichtet hatten, um von furchtbar grassierenden Lagerseuchen befallene Teilnehmer des Dritten Kreuzzuges (1189–1192) gesund zu pflegen, was als Gründungsakt des Deutschen Ritterordens anzusehen ist – am 6. Februar 1191 erfolgte seine provisorische und am 21. Dezember 1196 seine endgültige Anerkennung durch den Papst – ist der junge Orden bereits in Tirol nachweisbar.
Schenkungen und Entwicklung in Tirol
Dann bereits am 9. April 1202 bestätigte der Trienter Bischof Conrad II. unter Zustimmung von 18 Domherren eine Schenkung, die wenige Monate zuvor „ein frommgesinnter Herr von Bozen, namens Giroldus, mit seiner gleichgestimmten Gemahlin Mechtild jenseits der Eisackbrücke am Fuße des Virglberges unterhalb der Veste Weineck eine Kirche und ein Hospital zu Ehren des hl. Johannes Evangelist und für die Bruderschaft des Deutschen Ordens zur Erquickung der Armen erbaute“ (Justinian Ladurner), getätigt hatte, und stattete sie mit großen Rechten aus. Aus dieser Schenkung entwickelte sich allmählich die „Ballei an der Etsch und im Gebirge“, der die im Verlauf des 13. Jahrhunderts entstandenen Komtureien Lengmoos, Schlanders, Sterzing, Trient und Bozen selbst unterstanden.
Errichtung und Patronatsrechte
In Anknüpfung an die Schenkung einer Kirche zu Tschars durch Kaiser Friedrich II. im Februar 1215, sowie unter Berufung auf die Überlassung von zwei Schwaighöfen zu Ratschill bei Schlanders durch Graf Albert III. von Tirol und den Erwerb des Patronatsrechts zu Göflan, erfolgte im November 1235 die Schenkung des Patronatsrechts an der Kirche zu Schlanders durch den genannten Kaiser, was ganz wesentlich zur Errichtung der Kommende Schlanders wurde, die als solche 1309 nachgewiesen werden kann. Ein Hospital, das schon vor 1211 in Lengmoos bestanden haben muss, dürfte dem Deutschen Orden mit großer Wahrscheinlichkeit vor dem 9. Oktober 1237 (Klaus Millitzer) geschenkt worden sein.


Einfluss und Herausforderungen des Deutschen Ordens
Als Sitz des Landkomturs – als erster wird Dietrich von Wibelhofen/1266-1270 genannt – ist der Sitz der Kommende Bozen anzusehen, wobei der Landkomtur nicht selten in Personalunion auch die Würde eines Komturs von Bozen und von Lengmoos verkörperte. Der Deutsche Orden konnte in Tirol feste Wurzeln sowohl politisch als auch wirtschaftlich schlagen und in pastoraler Hinsicht entscheidend wirken, sodass er sich zur Zeit der Reformation nachhaltig behaupten konnte. Im Zeitalter der Gegenreformation vermochte er seine Vorrangstellung noch gehörig zu stärken, was beispielsweise der große Freiheitsbrief für den „KuchlMayrhof zu Sibenaich“, der von Hochmeister Erzherzog Maximilian im Jahre 1609 in den Rang eines „Freysitzes“ erhoben wurde, beweist. Schlimme Zeiten brachen für den Deutschen Orden während der Gewaltherrschaft des Korsen aus Ajaccio, Napoleon, an. Der Orden wurde in Tirol aufgehoben, sein zeitliches Ende schien besiegelt.
Nachdem nach dem Wiener Kongress die alte Ordnung in Europa weitgehend wieder hergestellt worden war, konnte der Orden dank der Tatkraft einiger beherzter Persönlichkeiten wieder erstehen, allerdings in verkleinerter Form: die Kommenden von Schlanders und von Sterzing entstanden nicht mehr. Tröstlich ist, dass sich die Kommenden Bozen und Lengmoos von den Wirren der verflossenen 15 Jahre wieder erholen konnten und dass Lana nunmehr an Bedeutung zunahm: im Brüderzweig genauso wie im Zweig der wiederbegründeten Schwestern.
Aktuelle Situation des Deutschen Ordens
Ausschlaggebend dafür wurde das fruchtbare Zusammenwirken zwischen Peter Rigler und dem Hochmeister Maximilian Josef von Österreich (1835–1863), der in Lana und von dort ausgehend in Troppau Priesterkonvente begründete und das Schwesterninstitut reaktivierte, was ihm durch einige Barmherzige Schwestern aus Zams gelang. Heute zählt der Deutsche Orden in Südtirol 25 Priester und Brüder sowie 26 Schwestern. In der Ballei "An der Etsch und im Gebirge" gibt es derzeit mehr als 70 Familiaren, von denen 17 die selbstständige Komturei „Am Inn und Hohen Rhein“ bilden.
Quellen und weiterführende Literatur
Dr. Othmar Parteli, Fam. OT
www.deutschorden.it
Tafel in der Kommende Lengmoos
Orden in Tirol:
- Hye, Franz Heinz: Auf den Spuren des Deutschen Ordens in Tirol. Eine Bild- und Textdokumentation aus Anlass des Ordensjubiläums 1190-1990, Bozen 1991.
- Aus der Reihe "Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens":
- Band 14: Gruber, Erentraud: Deutschordensschwestern im 19. und 20. Jahrhundert. Wiederbelebung, Ausbreitung und Tätigkeit 1837-1971, 1971.
- Band 28: Gasser, Ulrich: Die Priesterkonvente des Deutschen Ordens. Peter Rigler und ihre Wiedererrichtung 1854-1897, 1973.
- Band 43: Der Deutsche Orden in Tirol - Die Ballei An der Etsch und im Gebirge. Hrsg. von Heinz Noflatscher, Bozen/Marburg 1991.