ST. Georg in Weggenstein Bozen

Die Deutschhauskirche St. Georg in Weggenstein wurde um 1400 als geistlicher Mittelpunkt der Bozner Landkommende im gotischen Stil errichtet. Nachdem der Deutsche Orden seinen ursprünglichen Standort wegen ständiger Überflutungsgefahr verlassen musste, dient das Bauwerk seit über 600 Jahren als bedeutendes Gotteshaus. Es beherbergt wertvolle Kunstschätze und erinnert durch zahlreiche Aufschwörschilde an die feierlichen Gelübde der Ordensmitglieder.

Bereits 12 Jahre nach der Gründung des der „Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem" (kurz: Deutscher Orden) im Hl. Land (1190), bezogen die Brüder in Bozen ein Hospital mit angegliederter St. Johannes Bapt. Kirche, das ihnen vom Ehepaar Girold und Mechthild überlassen worden war. Ständige Überflutungsgefahr jedoch veranlaßte sie im Jahre 1392 den Ansitz Weggenstein zu kaufen. Dorthin wurde im Jahre 1400 das inzwischen zu einer Landkommende erhobene Hospiz verlegt. Johann von Riedern war damals Landkomtur der noch jungen Ordensballei „An der Etsch und im Gebirge". Als die Brüder des Deutschen Ordens vom Eisack weg und nach Weggenstein zogen, ließen sie neben der Landkommende die Kirche zum Hl. Georg in Weggenstein erbauem, allgemein bekannt als Deutschhauskirche. Schwäbische Bauleute waren es, die dieses schöne und zarte Werk der reinen Gotik um 1400 errichteten. Mit einer Vorhalle und einem Fassadenturm, der zur Hälfte in das Langhaus cingelassen ist und einen pyramidenförmigen Abschluß hat, bildet sie bis heute den geistlichen Mittelpunkt der Landkommende Weggenstein in Bozen.

Man legte den Grundriß der Kirche in Ost-West-Richtung parallel zu einem rechtwinklig zur Straße stehenden Giebelhaus (Höhe: 22,80 m), das mit 3 Gewölbejochen im Erdgeschoß 15 bis 16 m lang ist. An der Aufßenmauer der Kirche verläuft ringsum am Sockel. Diese ist von einfachen, abgestuften Strebepfeilern aus Quadern unterbrochen. Oben sind sie schräg abgedeckt und haben einen gekehlten Wasserschlag. Neben dem Hauptportal befindet sich an der Südmauer das Hochgrab des Landkomturs Gottfried von Niederhaus aus dem Jahr 1438.

Der Grundriß der Kommendekirche stellt einen einschiffigen Saal mit glatten Wänden dar, die übergangslos in das Presbyterium bis zu dem schlichten polygonalen, dreiseitigen Ostabschluss durchlaufen. In vergleichbarer Weise steht die Gewölbeteilung in 3 Joche sowie das mehrteilige Gewölbe über dem Chor, das durch die zusätzlichen Kappen den Eindruck eines 5/8-Chorschlusses vermittelt, in der Tradition von Kirchen der Ritterorden. Das Gewölbe wird von fein profilierten Rippen getragen, die auf zierlichen Spitzkonsolen ruhen. Nach oben laufen die Rippen in runde Schlußsteine zusammen, die mit schönen Reliefs geziert sind: Im Chor das Bildnis Christi des Weltenrichters (Pantokrator), im 1. Gewölbejoch das Kopfbildnis des enthaupteten Johannes d.T. auf einer Schale, im anschliessenden eine Blüte in Form einer Rose, Maria die Schutzfrau des Ordens symbolisierend, und als letztes das auf einen Stern aufgelegte Deutschordenswappen.

Im Süden und Osten sind 4 dreiteilige maßwerkgeschmückte Spitzbogenfenster, von denen das nach unten verkürzte Chorfenster vom barocken Altarbild verdeckt wird. Das Hauptportal ist eigenartigerweise, aber der gesamten Anlage entsprechend, im Süden angelegt. Es ist spitzbögig und in reich profilierter Rahmung mit 3 verschieden geformten Rundstäben verziert. In der westlichen Vorhalle befinden sich am Fuße des Glockenturmes die zwei alten Hauptportale der Kirche, von denen das eine nach wie vor als Eingang zum Gotteshaus, das andere als Zugang zum Beichtzimmer dient.

Um 1790 wurde die Orgelempore an der Westseite der Kirche und die Komtursloge an der Nordseite des Presbyteriums errichtet, gleichzeitig der Hochaltar, die Kanzel und die Kommunionbank; geschaffen von Meister Andrea Filippini aus Trient. Die Komtursloge verbindet die Kirche sowohl mit der Kommende wie auch mit dem heutigen Studentenkolleg (einst Hospital). Der Hochaltar besteht aus mattweißem Marmor mit bunten Einlagen, seine Mensa steht frei und ist, wie auch die Sakristeieingänge, mit dem Deutschordenskreuz versehen.

Der Volksaltar wurde im Jahr 2004 von dem grödner Künstler Adolf Vallazza geschaffen, nachdem bereits 25 Jahre zuvor der Ambo und der Priestersitz von ihm gefertigt worden waren. Die Apsis ist mit einem Gemälde des Kirchenpatrons St. Georg geschmückt, der als drachentötender Ritter dargestellt ist. Es wird gehalten von einer flachen Volutenrahmung mit geschweiftem Rundgiebel. Martin Knoller, ein tiroler Barockmaler, schuf das Retabel im Jahre 1799 in Mailand. St. Georg ist nach der Hl. Elisabeth von Thüringen der zweite Patron des Deutschen Ordens.

Von allen Seiten zieht der mit mehr als 2 m Höhe prächtige Tabernakelaufbau sofort den Blick auf sich und behauptet sich im Blickfeld des Betrachters. Die vergoldete silberne Treibarbeit des Tabernakeltürchens, die Kreuzigung Christi darstellend, schuf der Augsburger Meister Mattias Geld im Jahr 1612. Über ihr erhebt sich als Ciborium über einem Expositorium ein kleiner Baldachin aus Marmor, der von einer bekreuzten Weltkugel gekrönt wird. Die Kanzel hat eine einfache Rundform mit Pilastergliederung und cinem gerafften Baldachin unter dem Schalldeckel. Architrave, Pfeiler und ausgebauchte Pilaster bilden die massive Kommunionbank.

Im Innern der Vorhalle befinden sich verschiedene Grabplatten von Landkomturen des 16.-18. Jahrhunderts. An die 40 Landkomture residierten in der Kommende Weggenstein, und die 31 runden Aufschwörschilde mit gemalten Wappen und Inschriften, die an der Innennordwand der Kirche hängen, erinnern an den Eintritt in den Deutschen Orden. Aufschwörschilde, ovale Metallschilder und Lanzenfahnen geben der Kirche ein unverwechselbares Gepräge, so daß sie jedem Besucher als Kirche des Deutschen Ordens in Erinnerung bleibt. Ignaz Stolz schuf im Jahre 1908 die Stationen des Kreuzweges und das Marienbild links neben dem Altar.

Seit nunmehr 600 Jahren ist St. Georg in Weggenstein als Ordenskirche für die Gläubigen des nördlichen Stadtteils von Bozen, für die Studenten des seit 1932 angegliederten Collegium Marianum, vor allem aber für die Bewohner im Dorf, ein gern und vielbesuchtes Gotteshaus.